DAS SEHEN UND DAS KIND (1)
Obwohl das neugeborene Kind mit offenen Augen auf die Welt kommt, sieht es in der Tat
fast nichts. Es muss lernen seine Augen zu gebrauchen. Für den Menschen ist dies die eine
der vielleicht wichtigsten Lehren. 80% unseres Wissens eignen wir uns durch das Sehen an.
Im Laufe der ersten Lebenswochen erfasst das Baby die Welt als undeutliche Lichtschatten.
Nach zwei Monaten stabilisiert sich sein Blick, und im dritten Monat fixiert und folgt es
mit seinen Augen Gegenstände und Personen. Schlussendlich lernt es sie wiedererkennen. In
diesem noch begrenztem Universum werden ihm das Gesicht seiner Mutter oder die Saugflasche
vertraut.
In den zwei nachfolgenden Monaten streckt das Kind sein Hand aus um die gesichteten
Gegenstände zu ergreiffen. Im sechsten Monat beginnt es mit Gegenständen zu spielen: die
Sehfähigkeit hat sich deutlich verbessert. Noch während Jahren wird es sein Sehen
verbessern um das Beste aus seinem Sehsystem zu ziehen. Wie an der internationalen
Colloquium « Vision-Scolaflté » erinnert wurde, befindet sich die wichtigste Periode
der Entwicklung des Sehsystems zwischen dem 12. und 18. Lebensmonat.
Aber Vorsicht! Für sein ganzes Leben hat es nur zwei Augen. Es muss dafür
Sorge tragen, aber vorher müssen seine Eltern die Verantwortung tragen.
SCHAERFENANGLEICH UND KONVERGENZ
Der Schärfenangleich ist mit der Einstellung des Objektifs eines Photoapparates zu
vergleichen. Im Auge ändert sich die kristaline Wölbung, eine elastische Substanz,
welche die Rolle einer verformbaren Linse besitzt. Die Aenderungen der Wölbung,
ausgelöst durch eine automatische Muskelreaktion erlauben die Bildungen eines scharfen
Bildes auf der Netzhaut, auf verschiedenen Distanzen.
Der Schärfenangleich benötigt eine Lehrzeit welche erst einige Wochen nach der Geburt
des Kindes beginnt. Es fixiert Gegenstände. Seine Augen lernen sich zusammen zu bewegen,
wie auch die Distanz richtig zu erfassen. Auch die Konvergenz braucht ihre Anpassungszeit
und oft kommt es vor dass das Baby während vier bis fünf Monaten schielt. Dieses
Schielen ist nicht ungewöhnlich. Bei sehr starkem und dauerndem Schielen sollte man
jedoch einen Augenarzt aufsuchen.
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DIE SEHFAEHIGKEIT
Bei der Geburt ist die Sehfähigkeit äusserst begrenzt und das Neugeborene sieht seine
Umwelt in unscharfen Fromen. Es macht jedoch sehr rasche Fortschritte und man schätzt
dass nach sechs Monaten seine Sehfähigkeit schon einen Fünftel deren eines Erwachsenens
ist, wobei sie bei der Geburt 30 bis 60-fach kleiner war. Seine Sehfähigkeit hat sich
verbessert. Die Grösse des kleinsten sichtbaren Gegenstandes hängt von der Sehfähigkeit
ab. Sie wird generell in Bruchteilen angegeben (6/10, 10/10, 12/10). Es ist nicht selten
dass ein Kind welches gut sieht eine Sehfähigkeit von über 14/10 auf jedem Auge besitzt.
ERFASSUNG VON RELIEF UND RAUM
Die Erfassung des Reliefs erlaubt dem Kind einen Gegenstand welcher vor oder hinter
einem Andern liegt zu sehen, sowie dessen Distanz, gegenüber anderen Objekten oder
Personen, genau zu erfassen. In seinen beiden Augen enstehen abgestufte Bilder des
gleichen Gegenstandes unter zwei verschiedenen Winkeln, welche ihm erlauben in mehreren
Dimensionen zu sehen. Sein Hirn führt die beiden Bilder in ein Einziges zusammen wenn das
binokulare Sehen normal ist, d.h. wenn die Augen wie zwei gut zusammenarbeitende
Instrumente funktionieren. Können jedoch die Augen nicht in die gleiche Richtung sehen,
dann spricht man von Strabismus oder vom Schielen. |
Mit dem binokularen Sehen verfügt das Kind über ein weites Sichtfeld. Mit nur einem
Auge sind die Sichtleistungen äusserst beschränkt. Sie stellen dies selbst sehr schnell
fest wenn sie ein Auge schliessen. Der Sichtwinkel beträgt normalerweise 220 - 240 Grad
in horizontaler Richtung. Es werden jedoch nur die direkt mit den Augen visierten
Gegenstände im kleinsten Detail erfasst, d.h. jene Gegenstände die sich im zentralen
Sichtfeld befinden.
DAS SEHEN DER FARBEN
Das Kind unterscheidet die Farben durch drei, sich auf der Netzhaut befindenden, auf
blau, grün und rot ansprechenden Sehzellen. Beim Ausfall einer Zellentype wird das
Farbsehen gestört (Dischromatopsie). Zwei bis drei Personen auf Tausend sehen ihre
Umgebung in Schwarz und Weiss (Achromatopsie). Das meistverbreitete Leiden, die
Farbblindheit, verhindert Rot von Grün zu unterscheiden. Dieses Leiden, welche für
gewisse Berufsgattungen ungeeignet ist, findet man bei 8% Männern und nur 0,7% Frauen.
Bis Heute gibt es dafür keine Behandlung. Eine frühzeitige Aufspührung jedoch
verhindert eine unsachgemässe Orientation.
Gläser für die Dyslexie
Farbsehen
