ABBILDUNGSFEHLER VON BRILLENGLÄSERN
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Von Professorenschaft Mo Jalie
Bei achsfernen Bildern, die von einem vor dem Auge befindlichen Glas erzeugt
werden, kommt es im Allgemeinen zu mehreren Abbildungsfehlern, die die
Bildqualität beeinträchtigen. In unserer letzten Ausgabe haben wir den
Farbenquerfehler und die Bildfeldwölbung behandelt. In diesem Artikel befassen
wir uns mit dem Astigmatismus schiefer Bündel und mit der Verzeichnung. In den
nächsten Beiträgen sehen wir uns an, wie diesen Abbildungsfehlern
entgegengewirkt werden kann.
ASTIOMATISMUS SCHIEFER BÜNDEL
Wenn ein schmales Strahlenbündel von einer sphärischen Fläche schräg
gebrochen wird, wird das gebrochene Lichtbündel astigmatisch. Statt dass sich
die Lichtstrahlen in einem einzigen Bildpunkt vereinigen, bilden sie zwei
senkrecht zueinander stehende Bildlinien mit unterschiedlichen Bildweiten, wobei
es irgendwo zwischen diesen beiden Linien einen Kreis der kleinsten Verwirrung
gibt, in dem das gebrochene Lichtbündel die geringste Überschneidung aufweist.
Die Ebene, in der sich die optische Achse der Glasfläche befindet, wird
Tangentialschnitt genannt, und die Ebene, die sich senkrecht zum
Tangentialschnitt befindet, wird Sagittalschnitt genannt (Abb. 2).
Der Astigmatismus schiefer Bündel führt zu einem unscharfen Bild, so als
hätte man zwischen dem Glas und dem Auge einen Kugelzylinder eingefügt.
Abbildung 2 zeigt den Strahlenverlauf eines schmalen Lichtbündels mit schräg
verlaufenden Strahlen durch ein vor dem Auge befindliches Plusglas. Das
gebrochene Lichtbündel erfährt eine astigmatische Abweichung und der Brennpunkt
im Tangentialschnitt Q'" befindet sich näher zum Glas als der Brennpunkt im
Sagittalschnitt.
Idealerweise sollte das Glas von einem entfernten Objektpunkt einen Bildpunkt
in der Fernpunktkugel des Glases erzeugen.
Die Scheitelkugel ist eine zum optischen Augendrehpunkt konzentrische
virtuelle Bezugsfläche, von der aus die Position des Brennpunkts im Sagittal und
im Tangentialschnitt gemessen wird. Die Fernpunktkugel ist die - ebenfalls mit
dem Augendrehpunkt konzentrische - virtuelle Fläche, an der man annehmen kann,
dass der Fernpunkt unverändert bleibt, wenn sich das Auge dreht, um durch
achsferne Bereiche des Glases zu sehen. Die im optischen Augendrehpunkt Z
gemessene Entfernung.
zwischen der Scheitelkugel und der Fernpunktkugel ist konstant und wird die
bildseitige fokale Schnittweite des Glases genannt (A,F'). Für die Konstruktion
von Brillengläsern ist es sehr wichtig, den Astigmatismus schiefer Bündel zu
reduzieren. In dieser Artikelreihe wird erklärt, wie man dies erreicht.
BILDUNTERSCHRIFTEN (siehe S.049) 1. Verzeichnung bei Brillengläsern.
- a) Quadratraster zur Untersuchung der Verzeichnung.
- b) Aussehen des Objekts, wenn es durch starke Plusglaser gesehen wird.
- c) Aussehen des Objekts, wenn es durch starke Minusgläser gesehen wird.
2. Schräge ScheiteikugeI-Brechwerte von Brillengläsern.
Mr ist der Fernpunkt des Auges, verbunden mit der Makula M'. Das Kriterium
für ein Brillenglas bester Form ist, dass es Bildpunkte von fernen Objektpunkten
auf der Fernpunktkugel des Auges erzeugt.
Die Brennweite von gebrochenen Strahlenbündeln wird vom Schnittpunkt des
gebrochenen Lichtbündels und der Scheitelkugel Z bis zu den Brennpunkten im
Sagittal und Tangentialschnitt Q's und Q't gemessen.
- Schettelbrechwert - 1 / f'v
- Wirkung im Brennpunkt des Sagittatschnitts auf der schrägen Scheitelkugel
F's = 1 / f's
- Wirkung im Brennpunkt des Tangenttalschnitts auf der schrägen
Scheitelkugel F'T = 1/f't
- Astigmatische Abweichung = F't
- F's
- Astigmatismus (Mean Oblique Power -MOP)= (F', + F',) / 2
- Sphärische Abweichung = MOP- F'v
VERZEICHNUNG
Die Verzeichnung beeinflusst eher die Form des Bildes als seine Schärfe und
erklärt sich durch die Tatsache, dass die Wirkung einer sphärischen Fläche
zunimmt, je mehr man sich den Randbereichen des Glases nähert. Die Vergrößerung
bleibt nicht konstant, sondern nimmt zu, je größer die Bereiche des sphärischen
Glases sind, die das Auge benutzt.

Abbildung 1 zeigt die Auswirkungen der Verzeichnung an einem durch ein Plus-
bzw. Minusglas gesehenen Quadratraster (Abb. la). Plusgläser erzeugen im
Allgemeinen dann eine kissenförmige Verzeichnung (Abb.

1b), wenn ein starkes Plusglas als Vergrößerungsglas benutzt wird. Bei der
charakteristischen kissenförmigen Abbildung hat der Brillenträger den Eindruck,
das gesehene Objekt sei konkav, d.h. das Zentrum des Gegenstands befinde sich
weiter von Auge entfernt als seine Ecken.

Minusgläser führen zu einer tonnenförmigen Verzeichnung [Abb. lc), von der
Kurzsichtige berichten, wenn sie durch Randbereiche ihrer Gläser sehen. Der
Gegenstand sieht konvex aus, d.h. der Brillenträger hat den Eindruck, das
Zentrum des Gegenstands befinde sich näher zum Auge als seine Ecken.
Wenn man die Form eines Glases verändert, verändert sich auch der durch das
Glas wahrgenommene Grad der Verzeichnung. Dies ist vermutlich die Hauptursache
für die Wahrnehmungsprobleme, unter denen Kunden leiden, die neue Gläser mit
einer anderen Form erhalten.
20/20 03/2002
